Das Lipödem – Mein langer Weg zur Diagnose

Ich war schon als Kind übergewichtig. Zumindest in meiner Erinnerung war ich immer „fett“. Ich kann mich daran erinnern, dass ich mich schon fett gefühlt habe, als ich mir als Teenager eine Jeans in Größe 42 kaufen musste. Einfach weil ich in normale Jeans aufgrund meiner dicken Oberschenkel und Hinterns nicht rein passte. Ich brauchte einen“ Karottenschnitt“.

Heute weiß ich, dass zu diesem Zeitpunkt mein Lipödem schon da war und beständig wuchs. Aber damals war ich 15, vielleicht 16 Jahre alt und sowas wie „Lipödem“ hatte man noch nie gehört.

Ich wurde immer dicker. Aber fast nur an Po und Beinen. Der Oberkörper blieb schlank – was von den Proportionen überhaupt nicht zusammen passte. Ich weiß noch, dass meine Eltern mir oft gesagt haben, ich hätte einen Arsch wie ein Brauereipferd. Und wenn ich nicht so faul wäre, hätte ich auch nicht so fette Beine. Meine Mutter hat eine Diät nach der anderen an mir ausprobiert, gebracht hat es nichts.

Dabei war ich gar nicht so faul und unbeweglich. Ich bin liebend gerne schwimmen gegangen und habe jeden Weg mit dem Fahrrad zurück gelegt. Bewegung hatte ich eigentlich genug.

Irgendwann kamen an den Beinen die Schmerzen dazu. Druckschmerz en erstmal. Und immer wieder blaue Flecke. Dann fingen auch meine Arme an, immer dicker zu werden.

Mit Anfang 20 hatte ich ständig so schwere und schmerzende Beine, dass ich immer nur kurze Zeit gehen und dann stehen bleiben musste. Oder mich hinsetzen. Und ich habe immer geglaubt, es läge am Übergewicht. Ich war überzeugt, dass jeder „dicke“ Mensch genau wie ich ständig Schmerzen hat. Erst 15 Jahre später habe ich herausgefunden, dass dem nicht so ist!

Aus Frust habe ich immer mehr gegessen und wurde immer dicker. Und auch, wenn es mir zwischendurch mal gelang, 30 kg abzunehmen, blieben Beine, Arsch und Arme dennoch unförmig Fett.

Ich habe 3 Kinder bekommen, und in jeder Schwangerschaft wurde das Lipödem schlimmer und schlimmer. Aufgrund der Schmerzen wurde ich auch immer unbeweglicher. Und aus Frust, Trauer und Selbsthass habe ich gegessen. Ein Teufelskreis!

Ich war bei unzähligen Ärzten und bekam immer zu hören, ich müsse abnehmen. Man hat mich zu Ernährungsberatungen geschickt, mir teure Diäten verkauft und mich zu Aquagymnastikkursen geschickt. Aber obwohl ich alles mitgemacht habe, nahm ich nicht ab. Jeder Arzt unterstellte mir, dass ich mich einfach nicht an die Programme hielt – das war schlimm für mich.

Im Oktober 2014 war ich dann in einer Mutter Kind Kur und hatte dort eine Physiotherapeutin, die sagte, meine Körperproportionen seien so falsch, das müsse krankhaft sein. Sie könne nicht verstehen, warum noch kein Arzt dies gesehen habe!

Ich fiel erstmal aus allen Wolken und habe danach noch einige Monate gebraucht, bis ich mich getraut habe, zu einem Phlebologen gehen. Der hat mich gründlich untersucht und das Lipödem diagnostiziert, mir aber auch direkt gesagt, dass es nicht heilbar ist. Und dass eine Liposuktion , eine Fettabsaugung, nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Aber das war erstmal alles egal. Ich habe in der Arztpraxis so geweint, ich bin regelrecht zusammengebrochen! Einfach weil ich endlich wusste, dass ich nicht Schuld war an diesem Körper!!!

Danach war ich bei einem Facharzt in Köln, der das genaue Stadium diagnostiziert und mir Kompressionkleidung und Manuelle Lymphdrainage verschrieben hat. Leider stellte sich heraus, dass dieser Arzt nur Geld mit Liposuktion verdienen wollte und nicht bereit war, mir regelmäßig die Lymphdrainage zu verschreiben. Aber wenigstens hatte ich endlich die gesicherte Diagnose und begann, mich über meine Erkrankung zu informieren.

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