Distanzlernen zeigt deutlich, was in unserem Schulsystem falsch läuft

Ich habe 4 Kinder zu Hause: Kind 1 – 11. Klasse Gesamtschule, Kinder 2 und 3 – 7. Und 6. Klasse Realschule, Kind 4 – 2. Klasse in einer 1/2 Klasse (also Erstklässler und Zweitklässler zusammen) Grundschule.

Kind 1 ist vom ersten Schultag an schwer zu beschulen gewesen. Hausaufgaben hat sie verweigert. Dennoch ist sie immer, ohne irgendetwas lernen oder üben zu müssen, mit einem 3er Durchschnitt durchgekommen. Abschluss 10. Klasse mit Einser Durchschnitt, aber jetzt in der 11 muss sie echt was tun. Auf das, was jetzt verlangt wird, haben sie die vorangegangenen Schuljahre nicht vorbereitet.

Rückmeldung von den Lehrern gibt es kaum, aber die meisten Aufgaben macht sie zumindest.

Kind 2, 7. Klasse Realschule, hat eine Asperger Diagnose. Er liebt den Distanzunterricht, arbeitet selbständig, teilt sich Aufgaben selbst ein und macht sie, wann er Lust dazu hat. Besonders gerne abends oder nachts. Der Stoff fällt ihm leicht, die meiste Zeit langweilt er sich total.

Dieses Kind gehört eigentlich aufs Gymnasium, hat aber nach Klasse 4 aufgrund seiner Asperger Schwierigkeiten (damals gab es noch keine Diagnose) nur eine Realschulempfehlung bekommen. Und jetzt erfüllt er von den Noten her die Voraussetzungen nicht, da ihm aufgrund des Asperger die schriftlichen Arbeiten sehr schwer fallen. So reicht sein Notendurchschnitt nur für eine 2,5 und er muss sich weiter langweilen.

Kind 3, 6. Klasse Realschule, ist dort gut aufgehoben. Mit dem Stoff kommt er klar, aber die Wochenpläne sind überhaupt nichts für ihn. Er ist eher von der faulen Sorte und verbringt seine Tage hauptsächlich mit Pausen. Dadurch kommt er zum Ende der Woche meistens ans Rotieren und gerät in Stress. Für ein Kind wie ihn wären täglich feste Aufgaben und mehr Kontrolle im Distanzunterricht total wichtig. Und vor allem schnelle und EHRLICHE Rückmeldung von den Lehrern.

Kind 4, 2. Klasse. Langweilt sich mit ihren Aufgaben von vorne bis hinten. In Kombination mit ADHS führt das hier täglich zu Ausrastern, Geheule und Verweigerung. Die Bitte um schwierigere Aufgaben wird ignoriert, sie muss stupfsinnig die Hefte füllen, nur damit sie gefüllt sind. Dabei wird individuelle Förderung bei der Grundschule groß geschrieben. Theoretisch sollte es auch möglich sein, die Schuleingangsphase in einem Jahr zu durchlaufen. Aber davon merkt man nichts! Schwächere Kinder dürfen 3 Jahre brauchen, stärkere haben Pech gehabt.

Grundsätzlich merkt man an keiner Schule irgendwas von Individualität. Und das liegt nicht nur am Distanzunterricht, das lief in der Zeit des Präsenzunterrichts nicht anders. Nur jetzt fällt es mir noch mehr auf, denn ich bin ja zuständig für den Ablauf zu Hause.

Und ich ärgere mich. Ich weiß jetzt schon, dass auch Kind 4 keine Gymnasialempfehlung bekommen wird. Weil das Kind aus Langeweile verweigert. Dabei liegen Diagnose und IQ Test der Schule vor.

Man müsste sich wirklich mal hinsetzen und das ganze Sxhulsystem reformieren. Dabei würde sicher helfen, die Posten der Schul- und Bildungsminister an Personen zu vergeben, die Ahnung von diesem Metier haben. Und man bräuchte mutige Politiker, die bereit sind, auch mal gravierende Veränderungen durchzuführen.

Nur weil es in unseren Schulen schon ewig schief läuft, muss es ja nicht so weitergehen. Es heißt schließlich „Never change a RUNNING System“. Und unser Schulsystem kann man nun wirklich nicht als running System bezeichnen.

Wir brauchen Digitalisierung, individuelle Förderung, das Recht auf Homeschooling, Lehrer, die besser ausgebildet werden im Bereich Inklusion, Anti-Mobbing-Programme und vieles mehr. Und wir dürfen definitiv nach der Pandemie nicht so weitermachen wie bisher!

7 Kommentare zu „Distanzlernen zeigt deutlich, was in unserem Schulsystem falsch läuft

  1. Da Schulen in der Hoheit der Kultusministerien der einzelnen Länder liegen und in den Ländern unterschiedliche Parteien mit unterschiedlichen „Ideologien“ die Mehrheit haben, verwundert es eigentlich, dass unser Schulsystem im Aufbau, im Ablauf und inhaltlich sehr einheitlich ist. Ich stimme dir zu, dass das Schulsystem dringend reformiert werden müsste. Es ist aber kein Zufall, dass Schule bundesweit so ist, wie sie ist; ich schließe daraus, dass diese Schule politisch so gewollt ist, und alle 4/5 Jahre von den (Nicht-)Wähler* legitimiert wird. Es findet eine schleichende Gleichschaltung auf allen ebenen des gesellschaftlichen und politischen Lebens statt. Nicht der mündige, kritische Bürger ist gewollt, sondern der angepasste, der nichts hört, nichts sieht und nichts sagt, der entweder klaglos seiner Arbeit/seinen Arbeiten nachgeht oder klaglos almosenhafte Sozialleistungen in Empfang nimmt. Aus heutiger Sicht ist unser Gesellschaftssystem gescheitert und ich kann (noch) keinen Silberstreif am Horizont erkennen. Alle Maßnahmen der Herrschenden laufen darauf hinaus, die Masse beobachten, kontrollieren und beeinflussen zu können. Liebe Grüße, Bernd

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    1. Ich kann mir gut vorstellen, dass du damit voll ins Schwarze triffst. Auch wenn ich das wirklich erschreckend finde. Aber um unsere Kinder zu selbständigen, empathischen denkenden Menschen zu „erziehen“, brauchen wir ein anderes Schulsystem. Und wie Reinhard Mey schon gesungen hat… „es gibt in unserer Schule kein Fach Menschlichkeit und Mut“…

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