Ein unbequemes Buch: „Drei Kameradinnen“ von Shida Bazyar

Mein erstes Fazit nach dem Lesen dieses Buches war: Schwierig!

Ich denke, dass man es als Leser entweder grandios oder gar nicht gut finden wird, weil es ein sehr unbequemes Buch ist.

Die Geschichte wird erzählt aus der Sicht von Kasih – wobei „erzählt“ das falsche Wort ist. Kasih schreibt an den Leser und spricht den Leser dabei direkt an. Und das auf eine sehr direkte, oft pampige und manchmal sogar aggressive Art und Weise. Genauso bekomme ich als Leser ständig unterstellt, rassistisch zu sein. Und während ich mich gedanklich sofort dagegen wehre, bringt Kasih mich dennoch immer wieder zum Nachdenken.

Sie erzählt von sich und ihren Freundinnen Hani und Saya. Alle drei leben in einer deutschen Stadt in einer Siedlung am Stadtrand und haben alle einen Migrationshintergrund. Wir lesen immer wieder Episoden aus ihrer Jugendzeit, lesen von Rassismus und der Art, wie die drei Frauen damit umgehen bzw. umgegangen sind.
Das ist nicht einfach zu lesen, weil es keinen roten Faden gibt und die einzelnen Episoden auch nicht zwingend in direktem Zusammenhang stehen.- auch wenn einem an Ende natürlich klar wird, dass alles miteinander verbunden ist und sich beständig verknüpft und entwickelt hat.

Ich habe eine Weile gebraucht, um mich mit dem Schreibstil der Autorin anzufreunden und mich ganz auf das Buch einzulassen. Aber ich mag unbequeme Bücher und bin froh, dass ich drangeblieben bin, denn das Ende fand ich wirklich sehr gut. Ich gehöre also zu den Lesern, die dieses Buch weiterempfehlen. Allerdings ist es keine Lektüre zum Abschalten oder für entspannte Lesestunden.

Kurzbeschreibung: Was Freundschaft bedeutet, wenn die Gegenwart Feuer fängt.
In ihrem neuen Roman erzählt Shida Bazyar voller Wucht und Furor von den Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und von drei jungen Frauen, die zusammenstehen, egal was kommt. Seit ihrer gemeinsamen Jugend in der Siedlung verbindet Hani, Kasih und Saya eine tiefe Freundschaft. Nach Jahren treffen die drei sich wieder, um ein paar Tage lang an die alten Zeiten anzuknüpfen. Doch egal ob über den Dächern der Stadt, auf der Bank vor dem Späti oder bei einer Hausbesetzerparty, immer wird deutlich, dass sie nicht abschütteln können, was jetzt so oft ihren Alltag bestimmt: die Blicke, die Sprüche, Hass und rechter Terror. Ihre Freundschaft aber gibt ihnen Halt. Bis eine dramatische Nacht alles ins Wanken bringt. Shida Bazyar zeigt in aller Konsequenz, was es heißt, aufgrund der eigenen Herkunft immer und überall infrage gestellt zu werden, aber auch, wie sich Gewalt, Hetze und Ignoranz mit Solidarität begegnen lässt. »Drei Kameradinnen« ist ein aufwühlender, kompromissloser und berührender Roman über das außergewöhnliche Bündnis dreier junger Frauen – und das einzige, das ein selbstbestimmtes Leben möglich macht in einer Gesellschaft, die keine Andersartigkeit duldet: bedingungslose Freundschaft. »Uns gibt es in dieser Welt nicht. Hier sind wir weder Deutsche noch Flüchtlinge, wir sprechen nicht die Nachrichten und wir sind nicht die Expertinnen. Wir sind irgendein Joker, von dem sie noch nicht wissen, ob sie ihn einmal zu irgendetwas gebrauchen können.« Aus: »Drei Kameradinnen«

ISBN: 978-3-462-05276-3

Seitenzahl: 352

Verlag: Kiepenheuer&Witsch

Preis: 22,00 Euro

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