Wenn ADHS der Lehrerin egal zu sein scheint…

… bringt das sowohl Kind als auch Eltern in eine schlimme Situation. So geschieht es zur Zeit bei uns.

Man merkt, dass es meiner 8 jährigen Tochter nicht gut geht – nicht nur daran, dass sie seit über einer Woche jede Nacht in meinem Bett schläft. Sie will auch morgens auf keinen Fall zur Schule. Dadurch gibt es jeden Morgen Stress, Tränen und Geschrei.

Vor ein paar Tagen dann die erste Mail der Klassenlehrerin: Das Kind benimmt sich in der Schule nicht. Sie ist stur, bockig, frech, beschimpft sowohl Lehrer als auch andere Kinder, verweigert das Arbeiten usw. Die Schule sieht dringenden Handlungsbedarf und wir sollen zur Familienberatung gehen!

Und ich als Mutter stehe da und frage mich 1.) Was sind das für Situationen, warum bekomme ich nichts konkretes gesagt? 2.) Was soll die Familienberatung tun, wenn die Konflikte und Probleme in der Schule sind? und 3.) Warum erfahre ich das per Mail und werde nicht zu einem Gespräch gebeten?

Nun gut, ich habe freundlich geantwortet, dass wir nicht zur Familienberatung gehen werden. Zum einen waren wir dort schon, und es wurde uns gesagt, sie seien für Schulsachen nicht zuständig. Zum anderen werden wir ja durch die kinderneurologische Klinik unterstützt (auch bei familiären Fragen und/oder Erziehungsfragen). Ich kann nicht noch eine Baustelle brauchen. Wir können uns aber sehr gerne bei einem persönlichen Gespräch zusammensetzen.

Antwort der Lehrerin: Gespräch ja, aber sie will, dass jemand von der Erziehungsberatung dabei ist. Diese Mail klang noch viel weniger nett als die erste, und ich habe mich gefühlt wie mit dem Rücken zur Wand.

Daraufhin habe ich per Mail erstmal die Ärztin in der Klinik um ein Gespräch gebeten. Leider hat sie sich noch nicht zurück gemeldet. Außerdem sind wir nun bereit, es doch mal mit Medikamenten zu probieren, um unserer Tochter zu helfen.

Weiterhin habe ich mit einer Dame vom schulpsychologischen Dienst telefoniert, die sich nun einschalten wird und uns unterstützt. Sie will möglichst bald mit der Klassenlehrerin reden, um genau zu erfahren, was los ist.

Was ich mittlerweile auch meiner Tochter (die absolut nichts erzählen will!) rausbekommen habe, ist, dass die Klassenlehrerin in keinster Weise auf die von der Klinik ausgesprochenen Maßnahmen eingeht. Weder hat meine Tochter einen Einzelplatz (stattdessen sitzt sie an einem 6er Tisch mit den beiden Mädchen, mit denen es immer wieder zu Konflikten kommt), noch wurden ihre Aufgaben reduziert oder ihr regelmäßige Bewegungspausen erlaubt. Nichts, was unter einen Nachteilsausgleich fallen würde. Das ärgert mich extrem – schließlich kennt sie die Diagnose und hat uns ja auch selbst dazu gedrängt, die Diagnostik machen zu lassen!

Dazu kommt, dass sie meine Tochter gerade vollballert mit Hausaufgaben. Sie soll anscheinend unbedingt alle Arbeitshefte voll bekommen. Das sind dann gerne mal 15 bis 20 Seiten pro Tag (wo es früher 1 bis 2 Seiten waren), Diese Aufgaben beherrscht das Kind im Schlaf, sie ist damit total unterfordert und verweigert dementsprechend. Dann bekommt sie natürlich Ärger und wird bestraft.

Sie hat große Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle. Wenn ihr etwas zu viel wird, rastet sie aus, beschimpft andere Kinder und die Lehrer. Klar darf sie das nicht, aber aufgrund des ADHS kann sie es nunmal nicht einfach sein lassen! Aber die Lehrerin versucht auch nichts, um solche Eskalationen zu vermeiden.

Mich stresst das alles total! Vor allem verstehe ich nicht, warum die Lehrerin jetzt noch so ein Fass aufmacht. Es sind noch 3 Wochen Schule bis zu den Sommerferien, danach wechselt meine Tochter in die 3/4 und bekommt eine andere Klassenlehrerin. Mich macht so eine Situation echt fertig. Ich merke, dass mein Kind leidet, kann aber im Prinzip nichts dagegen tun. Ich kann sie ja auch nicht mal eben 3 Wochen zu Hause lassen – obwohl ich das am liebsten tun würde!

Nun warte ich auf die Reaktion der Klassenlehrerin zu meiner Weigerung, die Familienberatung zum Gespräch dazu zu holen. Und frage mich die ganze Zeit, wie zur Hölle Inklusion in Schulen funktionieren soll, wenn Lehrer entweder keine Ahnung davon oder keine Lust darauf haben?!

11 Kommentare zu „Wenn ADHS der Lehrerin egal zu sein scheint…

    1. Das ist doch echt schlimm, verdammt! Ist denen denn nicht bewusst, wieviel sie in den Kinderseelen kaputtmachen können? Natürlich soll meine Tochter nicht explodieren und beschimpfen und bocken. Aber das passiert ja nicht ohne Grund. Und durch das ADHS kann sie es auch nicht einfach abstellen. Im Prinzip wirft die Lehrerin mir vor, dass ich das Kind nicht ordentlich erziehe bzw. nicht dafür sorge, dass sie in psychologische Behandlung kommt, in der sie dann lernen würde, sich zu benehmen…

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      1. Das wurde uns auch immer wieder vorgeworfen, falsche Erziehung etc. Natürlich brauchen ADHS Kinder vielleicht noch mal eine „konsequentere“ Erziehung, aber man ist als Eltern ja auch „ungeübt“ (generell denke ich immer, dass man ja auch bei Kindererziehung ins kalte Wasser geworfen wird, aber alles richtig machen soll….). Egal, ob ADHS oder nicht, an unseren Schulen läuft viel falsch. Und die wenigen Lehrer, die „vernünftig“ arbeiten wollen, gehen unter im Bürokratismus…. und die Kinder bleiben dabei auf der Strecke….

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  1. Oh, das ist schlimm für deine Tochter.

    Kannst du sie wirklich nicht zu Hause behalten? Die Kinder haben jetzt so viel gefehlt, da kommt es doch für drei Wochen nicht mehr drauf an. Gerade wenn deine Tochte eh alles kann.

    Sonst kannst du ja die Dame vom schulpsychologischen Dienst bitten, dem Gespräch beizuwohnen.
    Oder einen anderen Beistand DEINER Wahl.
    Hast du die Empfehlungen der Klinik schriftlich? Dann auch deinem Beistand vorher zukommen lassen.
    Allein würde ich nicht hingehen.

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    1. Nein, das werde ich auch nicht tun! Die Empfehlungen der Klinik habe ich schriftlich, die habe ich auch längst an die Lehrerin weitergeleitet. Und morgen werde ich die Dame vom schulpsychologischen Gespräch von der Schweigepflicht entbinden und ihr auch den Arztbrief und die Mails der Lehrerin weiterleiten. Danach kann die Lehrerin gerne Kontakt mit ihr aufnehmen und sie auch zu dem Gespräch dazubitten, wenn sie möchte.

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  2. Wir stehen das zusammen mit der Kleinen durch. Ich bin auch noch da. Und die Erziehungsberatung und die Fachärztin sind auf unserer Seite.
    Die letzten drei Wochen noch, dann erstmal Ferien und dann ein Neuanfang mit einer neuen Lehrerin.
    Ansonsten geht es mit allen Mitteln weiter, um unseren Kleinen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie braucht.
    Da übergeh ich ohne Weiteres die Lehrerin und trete direkt an die Rektorin heran. Ich bin nämlich sicher, dass die von nichts weiß und die Art und Weise der Lehrerin nicht gutheißen wird.

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  3. Wenn Ihr schon zu Medizin greift würde ich nicht zu Ritalin oder ähnlichem raten, da dies die Situation wahrscheinlich nur noch weiter verschlimmert, Nebenwirkungen mal durchlesen. Cannabis hat sich bei ADHS in Erwachsenen sehr bewährt und wenn man bedenkt das israelische Kinderkliniken ihre Krebsaptienten teilweise mit Cannabis heilen halte ich es in eurem Fall auch Überlegenswert auf Chemie zu verzichten!

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