Ein Kinderbuch, das mich sehr getriggert hat: „Fette Sau“ von Christiane Kromp

Wie ihr wisst, bin ich eine fette Frau. Und ich war auch schon als Kind und Jugendliche übergewichtig.

Ebenso wie die 12 jährige Lore in diesem Buch wurde ich auch als Kind und Jugendliche gemobbt. Mir wurde zwar nicht, wie Lore, körperliche Gewalt angetan, aber die seelische war nicht weniger schmerzhaft. Darum hat mich dieses Kinderbuch sehr getriggert.

Es zeigt sehr deutlich, was Mobbing einem Menschen antun kann. Und wie hilflos man selbst ist. Ebenso, dass die Erwachsenen, die einem helfen sollten, es oft einfach nicht tun (wie in diesem Buch z.B. der Schuldirektor).

Mir hat gut gefallen, dass das Buch zwar deutlich beschreibt, was mit Lore passiert und wie schlecht es ihr damit geht, aber auch Hoffnung gibt.

Manche Dinge hat die Autorin für sich passend verändert. Das schreibt sie am Ende des Buches. Z.B. sind in Deutschland maximal 8 Wochen Klinikaufenthalt zum Abnehmen möglich, Lore ist aber ein Dreivierteljahr in der Klinik und schafft es in der Zeit, ca. 30 kg abzunehmen. Ich finde es schade, dass sie das verändert hat, auch wenn es natürlich dichterische Freiheit ist. Aber ich habe das Buch gelesen und gedacht, das hätte ich als Jugendliche genau so gebraucht. Und habe dann am Ende erfahren, dass das gar nicht geht.

Für betroffene Kinder und Jugendliche, die dieses Buch lesen, finde ich das schwierig.

Und es gab noch einen schwierigen Aspekt für mich: Lore findet in der Klinik mit Julia eine beste Freundin. Das ist toll und ich gönne es natürlich jedem! Aber in diesem Buch bekommt man den Eindruck, dass man so eine Freundin wirklich braucht, um das Mobbing zu ertragen, stärker zu werden und glücklich zu sein. – aber was, wenn der Leser dieses Glück nicht hat?

Hätte ich dieses Buch mit 12 gelesen, hätte es bei mir keine guten Gefühle hinterlassen. Ich wurde gemobbt, hatte keine Freunde, habe mich nicht getraut, mich jemandem anzuvertrauen und habe auch erlebt, dass die Mobber immer davonkamen, weil sie viele waren und sich gegenseitig gedeckt haben.

Das gleiche lese ich hier von Lore, und dann wird mir klar dass die positiven Dinge dieses Buches (Monate in der Klinik, beste Freundin) entweder gar nicht möglich oder nicht durch mich veränderbar sind. Ich glaube, das hätte mich sehr traurig zurückgelassen…

Die Intention hinter diesem Buch ist sicherlich gut. Und wenn man Mobber dazu bringen würde, es zu lesen, wäre das sicher klasse. Aber für die „Opfer“ finde ich es schwierig. Mein Kind, das ein Opfer ist, würde ich es nicht lesen lassen wollen. Dabei hätte ich kein gutes Gefühl.

Kurzbeschreibung:

Die übergewichtige Lore geht in der Schule täglich durch die Mobbinghölle und hat keine Freunde. Aber die Lehrer unternehmen nichts dagegen. Lore kommt zu dem Schluss, dass nur Abnehmen ihr helfen kann, in der Gruppe Anerkennung zu finden.
So geht sie fast ein Dreivierteljahr in eine bayrische Klinik, um Gewicht zu verlieren. Dort lernt sie Julia kennen, die ihre Zimmerkameradin wird – und ihre beste Freundin. Mit Berliner Schnauze steht sie Lore gegen die „Zombieschwestern“ bei.

Doch bei ihrer Heimkehr ist Lore immer noch die „fette Sau“. Wird es ihr gelingen, ihr Selbstwertgefühl zu stabilisieren und ihr Leben in den Griff zu bekommen?

„Fette Sau“ ist ein Buch gegen Mobbing. Es lässt den Leser aus der Sicht eines Mobbingopfers die Situation erleben, macht dem Leser bewusst, was Mobbing bewirken kann. Die Protagonistin Lore hat durch diese jahrelange Tortur praktisch kein Selbstbewusstsein mehr. Das ändert sich erst in Bayern, wo sie nicht nur abnimmt, sondern auch wieder lernt, was richtiges Leben bedeutet, nämlich Unternehmungen, Wanderungen, Beschäftigungen mit anderen Menschen.

Lore lernt, dass Handyspiele und Mediensucht ihr nicht gut tun. Sie versucht, sowohl das als auch ihre Sucht nach Süßem in den Griff zu bekommen. Sie erkennt, dass all das nur Ersatz für echtes Leben ist. Sie lernt, sich selbst besser anzunehmen und stärkere Unabhängigkeit von der Anerkennung anderer zu entwickeln. Und sie macht die gute Erfahrung der Freundschaft, die aus Sicht der Autorin das beste Mittel gegen Mobbing ist. Schon eine Freundin in der Klasse schützt gegen Mobbing. Zwei Kinder gleichzeitig können nicht so drangsaliert werden wie eines allein.

Außerdem wird Lore klar, dass ihr Übergewicht nur der Aufhänger für das Mobbing war. Die eigentlichen Gründe liegen tiefer und haben nicht unbedingt mit ihrer Person zu tun.

Dieses Buch soll zeigen, was Mobbing bei den Betroffenen anrichten kann. Es soll überdies dazu ermutigen, etwas gegen Mobbing, dessen Mechanismen und dessen Folge zu unternehmen und sich zur Wehr zu setzen, Und dazu kann auch Adipositas gehören, gegen die anzugehen die Autorin ebenfalls ermutigen möchte.

Die übergewichtige Lore geht in der Schule täglich durch die Mobbinghölle und hat keine Freunde. Aber die Lehrer unternehmen nichts dagegen. Lore kommt zu dem Schluss, dass nur Abnehmen ihr helfen kann, in der Gruppe Anerkennung zu finden.
So geht sie fast ein Dreivierteljahr in eine bayrische Klinik, um Gewicht zu verlieren. Dort lernt sie Julia kennen, die ihre Zimmerkameradin wird – und ihre beste Freundin. Mit Berliner Schnauze steht sie Lore gegen die „Zombieschwestern“ bei.

Doch bei ihrer Heimkehr ist Lore immer noch die „fette Sau“. Wird es ihr gelingen, ihr Selbstwertgefühl zu stabilisieren und ihr Leben in den Griff zu bekommen?

„Fette Sau“ ist ein Buch gegen Mobbing. Es lässt den Leser aus der Sicht eines Mobbingopfers die Situation erleben, macht dem Leser bewusst, was Mobbing bewirken kann. Die Protagonistin Lore hat durch diese jahrelange Tortur praktisch kein Selbstbewusstsein mehr. Das ändert sich erst in Bayern, wo sie nicht nur abnimmt, sondern auch wieder lernt, was richtiges Leben bedeutet, nämlich Unternehmungen, Wanderungen, Beschäftigungen mit anderen Menschen.

Lore lernt, dass Handyspiele und Mediensucht ihr nicht gut tun. Sie versucht, sowohl das als auch ihre Sucht nach Süßem in den Griff zu bekommen. Sie erkennt, dass all das nur Ersatz für echtes Leben ist. Sie lernt, sich selbst besser anzunehmen und stärkere Unabhängigkeit von der Anerkennung anderer zu entwickeln. Und sie macht die gute Erfahrung der Freundschaft, die aus Sicht der Autorin das beste Mittel gegen Mobbing ist. Schon eine Freundin in der Klasse schützt gegen Mobbing. Zwei Kinder gleichzeitig können nicht so drangsaliert werden wie eines allein.

Außerdem wird Lore klar, dass ihr Übergewicht nur der Aufhänger für das Mobbing war. Die eigentlichen Gründe liegen tiefer und haben nicht unbedingt mit ihrer Person zu tun.

Dieses Buch soll zeigen, was Mobbing bei den Betroffenen anrichten kann. Es soll überdies dazu ermutigen, etwas gegen Mobbing, dessen Mechanismen und dessen Folge zu unternehmen und sich zur Wehr zu setzen, Und dazu kann auch Adipositas gehören, gegen die anzugehen die Autorin ebenfalls ermutigen möchte.

5 Kommentare zu „Ein Kinderbuch, das mich sehr getriggert hat: „Fette Sau“ von Christiane Kromp

  1. danke dir für die besprechung diese buches! das thema ‚mobbing‘ mit all seinen facetten und seinen traumatisierenden und zerstörerischen auswirkungen ist noch viel zu wenig bewusst in der gesellschaftlichen diskussion.
    das perfide ist ja auch, dass die diskussion im grunde von denen, die mobbing erfahren (haben), angestoßen werden muss …

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    1. Ja, das ist definitiv so. Schlimm ist in meinen Augen, dass Opfern so oft nicht geglaubt wird, weil ihre Aussage gegen die der Mobber steht und die meistens ja zu mehreren sind und sich gegenseitig „decken“. Und schlimm finde ich auch die Aussage an die Opfer, sie sollen sich ein dickeres Fell wachsen lassen!

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      1. ja, das sehe ich ganz genau wie du!

        in zusammenhang mit einem fall von mobbing in einer grundschulklasse, mit dem i zu tun hatte, wurde beispielsweise vom vater eines (haupt)mobbers über den gemobbten jungen gesagt, der sei doch selber schuld, der solle halt mal lernen, sich zu wehren …

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      2. Ja genau. Das habe ich auch erlebt. Verbunden mit solchen Aussagen wie „an unserer Schule gibt es kein Mobbing!“ von Lehrern. Oder gerne auch als Frage ans Opfer:“Und was hast DU gemacht? Die ärgern Dich ja nicht ohne Grund.“

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  2. Ich finde deine Meinung sehr gerechtfertigt! Wenn man diese Chancen nicht bekommt, was macht man dann? Einfach deprimierend. Kennst du das Buch „Stell dir vor, dass ich dich liebe“ von Jennifer Niven? Ich fand es gut, hab es hier rezensiert: https://wortlicht.blog/2021/02/27/stell-dir-vor-du-erkennst-deine-besten-freunde-nicht-stell-dir-vor-du-bist-dreimal-so-breit-wie-alle-anderen/ – Aber mich würde mal deine Meinung interessieren. Viele liebe Grüße, Tala

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