Die Debatte um Winnetou und Karl May

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Im Kino läuft aktuell der Kinderfilm „Der junge Häuptling Winnetou“, und der Ravensburger Verlag hat aufgrund von Rassismus Vorwürfen das Buch zum Film zurückgezogen. Und ich muss ehrlich sagen: Das geht mir zu weit!

Ja, Karl May romantisiert die indigenen Völker. Aber ich bin sicher, dass er es zu seiner Zeit 1.) nicht besser wusste und 2.) nur gut gemeint hat. Die „Indianer“ kommen in seinen Büchern gut weg, schließlich ist Winnetou sogar die Hauptperson und schließt Blutsbruderschaft mit einem Weißen. Die beiden werden also auf eine Stufe gestellt. Die Bücher vermitteln positive Werte und erzählen Abenteuergeschichten, die schon Generationen unterhalten haben.

Die ARD will keine Winnetou Filme mehr senden. Jetzt aber schnell – verbieten wir auch ganz flott den Kinofilm! Und danach natürlich die Karl May Festspiele. Und – ohje – den Kindern an Karneval das Verkleiden als Cowboy und Indianer! Verdammt, unsere Schulbücherei hat gerade erst die neue Buchreihe „Klassiker für Kinder“ gekauft. Da sind die Bücher „Winnetou“ und „Der Schatz im Silbersee“ bei – dürfen wir den Kindern diese Bücher jetzt überhaupt zum Lesen geben?

Ich habe akzeptiert,  dass man in „Pippi Langstrumpf“ den Negerkönig in einen Südseekönig umgewandelt hat – obwohl ich allen meinen Kindern das Original vorgelesen und dabei erklärt habe, was das Wort Neger für eine Bedeutung hat und warum man es nicht mehr benutzt – sowas geht!

Was kommt als nächstes? Schreiben wir „Die fünf Freunde“ von Blyton um, weil Anne dort das brave Mädchen ist, das sich vor allem fürchtet und ständig beschützt werden muss? Und wo Georgina nur deshalb taff ist, weil sie sich George nennt und wie ein Junge benimmt? Wir könnten auch Klassiker wie „Trotzkopf“, „Pucki“ und „Nesthäckchen“ vom Markt nehmen, da das Frauenbild, das dort vermittelt wird, nun wirklich nicht mehr zeitgemäß ist.

Kennt ihr die Kinderbücher „True und Nelle“? Sie spielen wären der Rassentrennung in Amerika. Dort drin findet man weiterhin sogar den Begriff Neger – allerdings hat sich der Verlag die Mühe gemacht, in einem Nachwort zu erklären, dass man dieses Wort nicht mehr benutzt und warum. Und weshalb sie es dennoch haben stehenlassen. Warum gehen wir nicht alle diesen Weg, anstatt Bücher zu zensieren?

Wieso können die Herausgeber der Karl May Bücher kein Vorwort in die Bücher setzen, indem sie erklären, dass die indigenen Völker hier falsch dargestellt und romantisiert werden und wie es wirklich ist? Zu viel Arbeit? Zu teuer?

Nein, man geht den leichten Weg und verbietet einfach. Und nein, ich bin nicht dagegen, Dinge kritisch zu hinterfragen. Aber ich bin gegen Zensur. Und ich bin dagegen, Bücher zu verbieten. Wir sollen unseren Kindern bitte die falsche Darstellung indigenen Völker bei May vorenthalten, anstatt zu erklären, eine Entwicklung aufzuzeigen usw. ? Toller Plan – so lernen sie ganz bestimmt, über solche Dinge nachzudenken. NICHT!

6 Kommentare zu „Die Debatte um Winnetou und Karl May

  1. Die ARD sendet keine der aktuellen Winnetou-FIlme mehr, weil die Rechte 2020 ausgelaufen sind und damals neu vergeben wurden. Dabei hat das ZDF die Rechte gekauft, daher können die nun die Filme zeigen.
    Das hat nichts mit Verbot oder Boykott auf Seiten der ARD zu tun, sondern ist ein ganz normaler Lizenzierungsvorgang

    Gefällt 1 Person

  2. Ein sehr kleiner Teil einer Minderheit (egal welcher) stört etwas. Die über-politisch korrekte Mehrheitsgesellschaft bläst das Thema künstlich auf und dann kommt sowas dabei heraus. Es ist so wie mit den Dreads. Die meisten juckt es nicht. Von einigen hört man sogar, dass sie die Vermischung von Kulturen gut finden. Die Wenigen, die sich über Kleinigkeiten aufregen (und dabei nebenbei ECHTE tagtägliche Probleme untergehen lassen), sind eben besonders laut, ebenso wie die politisch korrekte Mehrheitsgesellschaft und ihre Bubble. Btw. ich bin auch definitiv dafür, dass wir uns alle sensibilisieren müssen, dass wir uns aufklären müssen. Aber wenn nun alles verboten werden soll, was irgendwen stört, dann bleibt eigentlich nichts mehr übrig. Außer vielleicht das peinlich berührte Schweigen, weil keiner mehr weiß, womit er wem Anders auf den Schlips treten könnte.

    Gefällt 2 Personen

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