Das ist also Inklusion? / So this is inclusion?

Unser Schulsystem… Ich hadere ja schon länger damit! Und nun stehen wir vor der Situation, dass mein Sohn Ende dieser Woche nach über 3 Monaten aus der Tagesklinik entlassen wird und wir bisher noch keinen neuen Schulplatz für ihn haben.

Mein Sohn ist Asperger Autist. Und er hat das Problem, in manchen Bereichen (Wissen, Sprache) an der Hochbegabung zu kratzen, in anderen Bereichen (Planung, Kurzzeitgedächtnis, Arbeitsabläufe) unterdurchschnittlich begabt zu sein. Leider sind genau diese Bereiche die, die in unserem Schulsystem benötigt werden. Und darum ist mein Sohn nicht in der Lage, in der Schule „abzuliefern“.

An einer Förderschule könnte auf seine Defizite eingegangen werden, er könnte dort lernen, sie auszugleichen oder sie trainieren. Gleichzeitig sind die Förderschulklassen viel kleiner, was auch gut für ihn wäre. Je weniger Kinder, desto weniger Unruhe/Lautstärke, desto weniger Reizüberflutung.

Auf einer Förderschule war er letzte Woche in ein Schulpraktikum gestartet, aber es stellte sich schon nach 2 Tagen heraus, dass er für diese Schule zu intelligent ist. Dort hätte er nur Hauptschulabschluss machen können, und von den Lehrern kam sehr schnell die Rückmeldung, dass dies die falsche Schule ist.

Wir bräuchten einen Platz an einer Förderschule, an der er die Möglichkeit hat, bis zum Abitur zu bleiben. Und davon gibt es in NRW nur eine, die erreichbar wäre (und das auch nur mit Fahrdienst). Aber dort einen Platz zu bekommen, scheint fast unmöglich zu sein. Die Tagesklinik hat schon Kontakt aufgenommen, das Jugendamt ebenso – die Rückmeldung der Schule ist ernüchternd, da sie so viele Anfragen haben, dass sie längst nicht alle Kinder aufnehmen können.

Für die Aufnahme muss ein AOSF Verfahren durchlaufen worden sein. Mein Sohn braucht die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs. Diesen Antrag hätte schon vor Wochen von der Heimatschule gestellt werden sollen (und wir dachten auch, das sei gemacht worden!), stattdessen haben wir am Freitag erfahren, dass die Unterlagen seit Wochen auf dem Tisch des Sonderpädagogen verstaubt sind. Er hat zwar jetzt versprochen, sich nächste Woche direkt dranzusetzen, aber so ein Feststellungsverfahren dauert Monate…

Klappt die Aufnahme auf der Förderschule nicht, muss mein Sohn zurück auf seine Realschule, die zwar bemüht ist, aber keinerlei Erfahrung mit Inklusion hat. Und obwohl wir Eltern, die Ärzte der Klinik, das Jugendamt und die Lehrerin der Klinikschule es überhaupt nicht für gut und sinnvoll halten, kann es sein, dass es so kommt…

Und ich frage mich: wie kann das sein? Wie kann es sein, dass ein Kind, das an einer normalen Regelschule nicht vernünftig beschult geschweige denn gefördert werden kann, trotzdem dort zur Schule gehen muss? Wieso gibt es so wenige Förderschulen für kognitiv starke Kinder? Wieso gibt es keine staatlichen oder wenigstens bezahlbaren Online-Schulen mit anerkanntem Abschluss? Wieso gibt es kleine Klassen und individuelle Förderung nur auf Privatschulen, die sich nicht jeder leisten kann?

Wie kann es sein, dass am Ende der Diagnostik, der Zeit in der Tagesklinik usw. das Ergebnis das ist, dass alles so bleibt wie es vorher war? Und zwar nicht, weil keiner eine Lösung weiß. Und auch nicht, weil weil es keine gäbe. Nein – nur weil in unserem Land Inklusion nur auf dem Papier funktioniert!

Meinem Sohn hat die Tagesklinik so gut getan – und nun besteht durch die Schulsituation die Gefahr, dass diese ganze positive Entwicklung wieder zurückgeworfen wird. Ich bin total frustriert, aber auch traurig und wütend. Bitte drückt uns ganz feste die Daumen für einen Platz an der Förderschule!


Our school system… I’ve been struggling with it for a while! And now we are faced with the situation that my son will be discharged from the day clinic at the end of next week after more than 3 months and we still don’t have a new school place for him.

My son is Asperger autistic. And he has the problem of scraping the edge of giftedness in some areas (knowledge, language) and being below average in others (planning, short term memory, work flow). Unfortunately, these are exactly the areas that are needed in our school system. And that is why my son is not able to „deliver“ at school.

At a special school, his deficits could be addressed, he could learn to compensate for them or train them there. At the same time, the special school classes are much smaller, which would also be good for him. The fewer children, the less restlessness/loudness, the less sensory overload.

He started a school placement at a special school last week, but it turned out after only 2 days that he is too intelligent for this school. He would only have been able to graduate from the Hauptschule, and the teachers quickly told him that this was the wrong school.

We would need a place at a special school where he has the opportunity to stay until the Abitur. And there is only one of these in NRW that is accessible (and only with a transport service). But getting a place there seems almost impossible. The day clinic has already been contacted, as has the Youth Welfare Office – the feedback from the school is sobering, as they have so many enquiries that they can’t take in all the children by a long shot.

For admission, an AOSF procedure must have been completed. My son needs to be assessed as having special educational needs. This application should have been made weeks ago by the home school (and we thought it had been!), but instead we found out on Friday that the documents have been gathering dust on the special needs teacher’s desk for weeks. He has now promised to get straight to it next week, but such an assessment procedure takes months…

If the admission to the special school doesn’t work out, my son has to go back to his secondary school, which tries hard but has no experience with inclusion. And although we parents, the doctors at the clinic, the youth welfare office and the teacher at the clinic school don’t think it’s a good or sensible idea at all, it could happen that way…

And I ask myself: how can that be? How can it be that a child who cannot be properly educated at a regular school, let alone be supported, still has to go to school there? Why are there so few special schools for cognitively strong children? Why are there no state-run or at least affordable online schools with recognised qualifications? Why are small classes and individual support only available at public schools that not everyone can afford?

How can it be that at the end of the diagnostics, the time in the day clinic etc. the result is that everything remains as it was before? And not because no one knows a solution. And not because there is no solution. No – only because in our country inclusion only works on paper!

The day clinic did my son so much good – and now, because of the school situation, there is a danger that all this positive development will be set back again. I am totally frustrated, but also sad and angry. Please keep your fingers crossed for a place at the special school!

Translated with http://www.DeepL.com/Translator (free version)

15 Kommentare zu „Das ist also Inklusion? / So this is inclusion?

  1. Oh je. Ich fühle mit dir, viel mehr kann ich leider zurzeit nicht tun. Unsere jüngste Tochter hat ihre Asperger-Diagnose noch nicht so lange, sie ist die ersten Jahre auf dem Gymnasium „nur“ durch ihre Hochbegabung aufgefallen, galt ansonsten halt als etwas nerdig.
    Ihre Probleme bestehen allerdings auch eher in der sozialen Kommunikation mit anderen sowie ständig drohender Reizüberflutung, und das hat sich durch das Distanzlernen noch verstärkt.

    Eine Überlegung, die sich mir stellt, zumindest für eine Übergangszeit: Kann euch an der aktuellen Schule eventuell durch eine Form des Nachteilsausgleiches geholfen werden? Als Voraussetzung dafür müsste natürlich bei den Lehrern auch die Bereitschaft bestehen, sich mit dem Thema überhaupt mal zu beschäftigen.
    (Kathi hat das Glück, dass einige Lehrer an ihrer Schule selbst ASS-betroffene Kinder haben.)

    Ansonsten bleibt eigentlich nur, die entsprechenden Ministerien zu kontaktieren, Lobbyarbeit zu machen, um zumindest für die Zukunft dicke Bretter zu bohren.
    Ich wäre bereit…

    Zunächst mal wünsche ich euch viel Kraft und Mut, langen Atem sowieso.
    Liebe Grüße
    Anja

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  2. Inklusion steckt in Deutschland leider in den Kinderschuhen, und die sind auch noch zu klein. Während der Schulzeit stellte sich bei mir die Frage nicht (Autismus war nicht bekannt, wurde auch nicht gefördert), aber im Berufsleben wollte mich der ein oder andere schon in eine Werkstatt für MmB schicken. Konnte mich aber selbst auf dem ersten Arbeitsmarkt integrieren.

    Wenn die Realschule wirklich keine (übergangs-)Option sein sollte, und sich dieser Prozess noch länger hinziehen könnte, wäre es dann eine Alternative, euren Sohn per (Langzeit-)AU zu Hause zu unterrichten, bis er die Förderschule besuchen kann? Man wird da, soweit mir bekannt, von einer Schule unterstützt, bzw. man bekommt die aktuellen Lerninhalte. Nach meinem Wissen muss dach natürlich auch beantragt werden und wird in NRW bewilligt, wenn das Kind langzeit-AU ist/sein wird.

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  3. Natürlich drücke ich die Daumen! Mehr kann ich nicht tun, stecke ich selber gerade in der Aspergerfalle fest. Aus ganz anderen Gründen zwar, aber beim lesen ist mir vieles aus meiner Kindheit in Erinnerung gerufen worden und ganz langsam wird mir manches klarer. Hilft dir nix. Hilft deinem Sohn nicht und genau das ist es, was mich wütend macht. Auch nach so vielen Jahren sind Autisten immer noch Exoten!

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  4. Susanne Gaschke hat einen interessanten Artikel auf welt.de geschrieben: „Deutschland funktioniert nicht mehr“. Was du und deine Kinder am eigenen Leib erfahren müssen, betrifft einen gesellschaftlichen Zustand, der dysfunktional ist. So entstehen persönliche Kämpfe, private Auseinandersetzungen, die eigentlich nicht notwendig wären, an den Nerven zehren und uns sinnloserweise nur eine Last sind.
    Wünsche dir deshalb vor allem Kraft, seelische Balance, auch deinen Kindern die Lebensfreude, wie sie Heranwachsenden guttun sollte. JL

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  5. Gut das eine exakte Diagnose da ist. Das mit der Schulsuche und den Problemen durch das Versagen der Schule tut mir leid. Ich war in den 80er Jahren Schüler und habe ADS. Es gab da keine Diagnosen. Ich glaube ADS war gar nicht anerkannt. Aber das macht ja den Umgang mit den Problem nicht leichter. Ich wünsche Euch viel Kraft und Verständniß bei der Bewältigung der Probleme!

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  6. Wir haben Euren Blog eben erst entdeckt! Kennt Ihr die Oswald von Nell Breuning Schule in Offenbach? Das ist sowas wie ein Internat, welches auch vom Jugendamt bei einer vorliegenden Autismusdiagnostik finanziert wird. Wir kennen Euch und den Blog jetzt wie gesagt erst seit gerade eben, durch Zufall wurde uns ein Beitrag angezeigt als wir über den Reade wo anders gelesen haben. Wir könnten bereits da nicken und nicken und nicken und Euch zustimmen, kennen wir alles selbst seit Jahren. Bei der o.g. Schule gibt es eine extra Abteilung für Kinder mit Autismus und Hochbegabung. Wo alles aufgefangen wird. Bisher haben wir nur positives von dort gehört, vielleicht für Euch eine Alternative oder Möglichkeit? Das ist eine Art Förderschule. Allerdings eben mit Internatscharakter.

    Kennt Ihr den Verein white Unicorn aus Berlin? Vielleicht können die Euch auch unterstützen? Sollte Ihr das alles schon kennen, so sorry, bin gerade dabei ein wenig bei Euch zu lesen und zu schauen. Aber vieles kennen wir nur selbst zu gut.

    Haltet durch und Eurem Kind alles alles Liebe, Euch natürlich unbekannterweise auch!

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